Wer sich nach grossen Gitarristen erkundigt, stösst immer auf die gleichen Namen. Jimi Hendrix, Jimmy Page, Slash, Jeff Back, Brian May, David Gilour und Eric Clapton haben sicherlich Geschichte mit ihren Soli auf der E-Gitarre geschrieben. Bei den klassischen Gitarristen sind Andrés Segovia, Narciso Yepes, Julian Bream, John Williams und Pepe Romero teils noch lebende Legenden. Und was ist mit dem Nachwuchs? Es wird so viel Musik gehört wie nie zuvor, nur mit der Qualität scheint es ein wenig schlecht bestellt zu sein. Eine britische Studie, die 500.000 Musiktitel untersuchte, kam 2015 zu dem erschreckenden Ergebnis, dass Musik nie so einfältig und langweilig war wie heutzutage. Es sind immer die gleichen Schemata, die es in die Charts schaffen, und es gibt musikalisch kaum was Neues. Selbst die E-Gitarren-Legende „Gibson” steht vor dem Aus. Was ist los?

Richtig ist, dass viele Jugendliche einfach keine Lust mehr haben, ein Musikinstrument zu lernen, was wahrscheinlich einer der Hauptgründe ist. Begründet wird dies meistens mit den hohen Kosten für den Unterricht und dem enormen Zeitaufwand, den niemand mehr aufbringen will. Weniger in der neuen „ToGo“-Gesellschaft. In dieselbe Richtung schlägt sicherlich auch der Effekt, dass die aktuelle Elterngeneration ebenfalls kaum noch Musikinstrumente spielt, also die Kinder von Haus aus gar nicht mehr ans Musizieren herangeführt werden. Und in den Schulen, da fehlen meistens die finanziellen Mittel für Instrumente und das nötige Personal, um musikalische Früherziehung in den Grundschulklassen durchzuführen. Für den musikalischen Nachwuchs sieht es also nicht wirklich gut aus.

Mit „mal eben etwas am Bildungssystem ändern“ ist das Problem wohl nicht mehr in den Griff zu bekommen, und seitens der Privathaushalte fährt der ohnehin schon abgefahrene Zug, allein aus finanziellen Gründen, auch immer weiter weg. Die Musik, ob Klassik, Pop oder Rock, ist aber immer ein Stück europäische Kulturgeschichte gewesen. Es jetzt einfach hinzunehmen, dass diese Ära wohl zu Ende geht, scheint jedenfalls nicht der geeignete Ansatz zu sein. Schnelles Handeln ist gefragt.